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Zu dick oder zu dünn?
Übergewicht schon bei Kindern und Jugendlichen ist zurzeit
das In-Thema. Fachleute schätzen, dass bereits jedes 4. Kind
in Deutschland übergewichtig ist. Übergewicht wächst
sich nicht immer aus. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 80% werden
die Kinder auch als Erwachsene übergewichtig bleiben. Übergewicht
ist aber mehr als ein Schönheitsfehler. Alarmierend sind die
Krankheiten, die in der Folge entstehen können. Schon kleine
Kinder entwickeln dadurch vermeintliche Altersleiden wie Diabetes,
erhöhte Cholesterinwerte, Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen
oder Abnutzungserscheinungen an den Gelenken.
Übergewicht hat viele Ursachen. Erwiesen ist, dass genetische
Faktoren eine Rolle spielen. Sie lösen aber nicht zwangsläufig
Übergewicht aus. Unterschätzt werden meist die anderen
Ursachen: Eine große Rolle spielen die ständige Verfügbarkeit
von Nahrung sowie die häufig mangelnde Bewegung. Hinzu kommen
falsche Essgewohnheiten und zu geringes Bewusstsein für gesunde
Nahrung. Allerdings ist diese oft auch teurer als andere Lebensmittel.
So ist es kein Widerspruch, dass gerade Kinder aus armen Familien
übergewichtig sind. Unterschätzt werden auch die psychischen
Faktoren, die Übergewicht verursachen können. Essen kann
z.B. als Mittel gegen Angst und Stress oder gegen Langeweile dienen.
Übergewicht gibt es, so lange es Menschen gibt. Zeitweise
war es ein Zeichen für Reichtum und Bedeutung. Füllige
Frauen galten als besonders schön und begehrenswert. In einigen
Ländern ist das auch heute noch so. Mit dem Wechsel des Schönheitsideals
hin zu den immer Schlankeren hat die Diskriminierung von Übergewichtigen
bis heute stark zugenommen. Der Druck auf Kinder und Jugendliche,
die diesem Schlankheitsideal nicht hundertprozentig entsprechen,
ist für die Betroffenen schwer auszuhalten.
Bei vielen führt das zu Essstörungen. Von einer Essstörung
spricht man, wenn die lebensnotwendige Ernährung nicht nur
das tägliche Leben, sondern auch die sozialen Beziehungen und
die emotionale Entwicklung dominiert. Schon Grundschulkinder versuchen
mit Diäten das aktuelle Körperideal zu erreichen. Da Übergewicht
häufig auf mangelnde Disziplin beim Essen, auf Fresssucht,
zurückgeführt wird, ist das Diät-Essen, wie unsinnig
und gesundheitsschädlich es auch sein mag, positiv besetzt.
Wer eine Diät durchhält, wird im Allgemeinen von den Freundinnen
und Freunden, manchmal auch von unverständigen Eltern, gelobt
und gestärkt. Hilft eine Diät nicht bzw. hilft sie nicht
dauerhaft, und das ist meistens der Fall, wird das Gefühl des
Versagens umso größer.
Auch die Essstörungen Bulimie und Magersucht (Anorexie) nehmen
bei Jugendlichen zu. Einige entwickeln bulimische Verhaltensweisen,
das sind Essanfälle, die mit der Zufuhr großer Kalorienmengen
verbunden sind. Deren Aufnahme wird anschließend durch Erbrechen,
Abführmittel und exzessiven Sport verhindert. Einige perfektionieren
die Kontrolle über ihr Essverhalten so gut, dass sie magersüchtig
werden. Sie reduzieren ihre Nahrungsaufnahme radikal auf ein Minimum
und nehmen dadurch sehr schnell ab. Sie können aber mit dem
Hungern nicht wieder aufhören, auch wenn sie ihr Idealgewicht
erreicht haben. Noch bei starkem Untergewicht fühlen sie sich
zu dick. Durch das permanente Hungern und den damit verbundenen
Mangel an lebensnotwendigen Nährstoffen bringen sie sich oft
in einen lebensbedrohlichen Zustand. Von Bulimie und Magersucht
sind hauptsächlich Mädchen betroffen, die Essstörungen
treten heute aber auch bei Jungen vermehrt auf.
Schule ist keine Therapieeinrichtung. Sie hat aber eine wichtige
Aufgabe im Bereich der Prävention. Schülerinnen und Schülern
die Bedeutung eines gesundheitsorientierten Lebensstils zu vermitteln,
ist ein Aspekt auch der Prävention von Essstörungen.
Darüber ist es durchaus empfehlenswert, das Thema "Essstörungen"
im Unterricht anzusprechen. Dabei muss behutsam darauf geachtet
werden, ob und wie Schülerinnen und Schüler in der Klasse
betroffen sind - es sollte kein Kind zusätzlich belastet werden.
Prinzipiell ist es wünschenswert, dass Lehrerinnen und Lehrer
dafür sensibilisiert werden, essgestörte Kinder und Jugendliche
zu erkennen. Dies ist nicht leicht, da die betreffenden Kinder häufig
sehr angepasst wirken und ihre körperlichen und psychischen
Probleme bewusst vertuschen.
Am günstigsten ist es, zu den betroffenen Schülerinnen
und Schülern ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, das
es möglich macht, sie und ihre Eltern direkt anzusprechen.
Ziel dieses Gesprächs sollte sein, sie davon zu überzeugen,
sich an eine Beratungsstelle zu wenden, ihnen die entsprechenden
Adressen und Kontakte zu vermitteln und die eigene Bereitschaft
deutlich zu machen, eine mögliche Therapie in der Schule zu
unterstützen.
Handlungsanregungen
Dick ist, wer dick aussieht
Wie viel darf ich wiegen? Diese Frage ist auch schon für
Kinder ein spannendes Thema. Die zurzeit gebräuchlichste
Methode zur Bestimmung des Normalgewichts ist der so genannte
Körpermasse-Index BMI
(= Body-Mass-Index). Das Körpergewicht in Kilogramm
wird durch das Quadrat der Körpergröße in
Metern geteilt. Gegenüber den herkömmlichen Tabellen,
in denen Durchschnittsgewicht und -größe einem
bestimmten Alter zugeordnet werden, hat der BMI den Vorteil,
dass individuelle Unterschiede berücksichtigt werden.
Denn Kinder eines Jahrgangs entwickeln sich ja höchst
unterschiedlich.
Ein BMI unter 20 lässt auf beginnendes Untergewicht
schließen, ein BMI über 25 auf den Beginn von Übergewicht
und ab 30 auf klares Übergewicht. Aber gerade weil die
körperliche Entwicklung von Kindern, und hierbei wiederum
von Mädchen und Jungen, so unterschiedlich verläuft
und im Einzelfall große Abweichungen von dem, was als
normal gilt, auftreten, sollte selbst der BMI nur als Orientierungshilfe
dafür angesehen werden, ob ein Kind zu dick oder zu dünn
ist.
Einfacher und nicht weniger zuverlässig ist selbst nach
Meinung von Fachleuten der Augenschein: Wer dick aussieht,
ist auch dick bzw. wer dünn aussieht, ist auch dünn.
Unbeschwert fit
Mangelnde Bewegung wird als eine bedeutsame Ursache für
Übergewicht beklagt. Aber gerade Übergewichtige
haben oft Schwierigkeiten, an den Sportangeboten teilzunehmen.
Sie sind bei vielen Sportarten hoffnungslos unterlegen, werden
bei Mannschaftsspielen nicht gewählt, haben Angst schon
beim Umkleiden wegen ihrer Figur verspottet zu werden. (Mindestens)
einmal wöchentlich sollten gemeinsame Bewegungsaktivitäten
ermöglicht werden, die alle, dick oder dünn, erfolgreich
bewältigen können und die Spaß machen. Hierzu
gehören z.B. Radfahren, Skaten, Walking, im Winter Rodeln
und Eisstockschießen. Es lassen sich sicher noch viel
mehr Sportarten finden, bei denen ein paar Pfunde mehr nicht
ins Gewicht fallen und körpernahe Trikots nicht erforderlich
sind.
Hilfsprogramme und Beratungsstellen kennen lernen
Die Klasse orientiert sich über Hilfsprogramme für
Essgestörte und lernt die entsprechenden Beratungsstellen
in der Kommune kennen. Auch wenn es in der Klasse Betroffene
gibt, ist dieser allgemeine, unverbindliche Zugang oft hilfreicher
als der Versuch der direkten Ansprache.
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Literatur und Links
Morgan Spurlock
"Supersize me"
DVD, erschienen bzw. erhältlich über die Prokino
Filmverleih GmbH in München, Tel.. 089-210114-0, Widenmayrstraße
38, 80538 München.
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hg.):
Essstörungen - Leitfaden für Eltern, Angehörige,
Partner, Freunde, Lehrer und Kollegen
Köln 2000, kostenlos
www.bzga-essstoerungen.de
Hier findet sich ein aktuelles Adressenverzeichnis und Literaturhinweise
Lautenschläger, Silke:
Dicke Kinder - Auf die Pfunde - fertig - los!
Fischer Taschenbuch Verlag Frankfurt/M. 2004
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